CT 235 Coaxial Loudspeaker (Diva Clone)

This article is only available in german.
[Pictures coming soon]

Basierend auf dem Cheap Trick 235 der Zeitschrift „Klang & Ton“ habe ich meine eigene Variante dieses Lautsprechers aufgebaut und bezüglich Gehäusedesign deutlich verändert. Das Gehäuse des CT 235 ist ziemlich aussergewöhnlich konstruiert, entsprach aber weder optisch noch von den Abmessungen her meinen Vorstellungen. Ich habe mich eher am Aufbau der WLM Diva Monitor orientiert. Der CT 235 verwendet die gleichen Chassis wie die WLM Diva, nämlich ein Koaxialchassis aus dem Beschallungsbereich von Eminence, und wird daher gerne als Diva-Klon bezeichnet. Die Frequenzweiche ist allerdings komplett anders designt, und der Hochtöner der WLM Diva ist angeblich gegenüber der Serienversion modiziert.

Das Konzept dieses Lautsprechers hat mich aus verschiedenen Gründen interessiert: Koaxialer Aufbau des Chassis, und daraus resultierend gute Raumabbildung und Ortbarkeit der Klangquellen, relativ hoher Wirkungsgrad (gut geeignet für Röhrenverstärker), und eine zu erwartende recht dynamische Wiedergabe von Musik, was meinen Klangvorstellungen entgegenkommt.

Nach einigen Planungen habe ich das Gehäuse wie folgt konstruiert: Abmessungen ca. 30x48x40cm (BxHxT), resultierendes Nettovolumen ca. 32 Liter, Wandstärke 25mm (MDF), Front- und Rückwand aufgesetzt und mehrfach verschraubt, Wände innen durch Streben versteift und mit Weichfaserplatten beschichtet. Die Gehäuse wurden relativ dicht mit Dämmmaterial gefüllt, die Bassreflexabstimmung erfolgte zuerst näherungsweise rechnerisch und dann abschliessend per Hörtest.

Die Abstimmung der Frequenzweiche in der Version von Klang & Ton von CT 235 hat mir relativ gut gefallen. Es gibt hierzu sehr unterschiedliche Meinungen. Ich habe die nachträglich vorgeschlagene Weichenmodifikation von Klang & Ton umgesetzt und den Hochpasskondensator etwas verkleinert. Für meinen Geschmack lief der Tief-/Mitteltöner etwas zu hoch und hat bei einigem Musikmaterial eine leichte Härte in den Mitten gezeigt, deshalb habe ich die Induktivität im Tiefpass etwas vergrößert. Auf der Rückwand der Gehäuse sind Bananenbuchsen angebracht, über die verschiedene Spulen im Tiefpass in Serie zur verbauten Spule geschaltet werden können. Ursprünglich wollte ich diese Buchsen dazu verwenden, den Reihenwiderstand im Hochton zwecks Pegelanpassung zu verändern, aber ich habe zu keinem Zeitpunkt den Bedarf verspürt, hier etwas gegenüber dem Bauvorschlag zu verändern.

Der fertige Lautsprecher kann vom Klang her wirklich überzeugen (Achtung, subjektive Meinung). Zuerst hatte ich besondere Bedenken bezüglich der Basswiedergabe, da das Volumen gegenüber dem Bauvorschlag verkleinert wurde. Aber die Basswiedergabe überzeugt in jeder Hinsicht: platziert auf massiven Ständern (ca. 50cm) ist der Bass mehr als ausreichend tief und gleichzeitig sauber, konturiert und mit viel Druck. Das gesamte Klangbild ist dynamisch und macht besonders bei Livemusik, Schlagzeug/Percussion, Gitarrenmusik etc. richtig Spass. Die Einschränkung bzgl. Musikrichtungen ist natürlich eigentlich Blödsinn, aber es ist wirklich der besondere livehaftige Charakter, der diese Lautsprecher auszeichnet. Die Wiedergabe ist aufbauend auf dem hervorragenden Bassbereich souverän, die Raumabbildung in Tiefe und Position sehr gut ausgeprägt, das hat auch Hörer deutlich teurerer Fertigboxen bereits überzeugt.

Die Kritik bezüglich CT 235 in den Foren zielt oft auf den Hochtonbereich ab; ich finde, der APT50 löst gut auf und übertreibt nicht, von Schärfe kann man überhaupt nicht sprechen. Die Schwächen der Konstruktion liegt m.M.n. eher in einer manchmal wahrnehmbaren leichten Härte im oberen Mittenbereich. Dies hängt sehr stark vom Charakter und von der Aufnahmequalität des zugespielten Materials ab, z.B. ist dies bei einigen Klavieraufnahmen wahrnehmbar, manchmal auch bei Stimmen. Seine Stärken spielt der APT50 dagegen voll z.B. bei akustischen Gitarren aus, denen verleiht er genau das richtige Quentchen Dynamik und Glanz.

Ich habe den CT 235 sowohl mit Röhre als auch mit Transistor betreiben, und beides passt gut. Dabei hatte ich beim Wechsel von der Röhre zum Transistor die stereotypische Vorstellung im Kopf, dass der Klang mit dem Transistor eher härter und analytischer wird. War aber Quatsch, an einem kleinen Naim Nait3 spielten die Boxen sehr angenehm, mit tendenziell tieferem Bass und schönen Höhen. Die Röhre trumpfte dagegen mit Dynamik und einem großen Raum. Laut ging übrigens immer, und zwar mit richtig Druck. Da kommt dann die PA-Abstammung der Chassis durch…

Insgesamt ein sehr lohnendes Projekt. Nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ein Lautsprecher mit sehr hohem Spasspotential, in einigen Disziplinen (Bassqualität, Dynamik, Raum) auch durchaus Highend. Neutral? Nicht immer… Auf jeden Fall hat der Lautsprecher richtiges Suchtpotential, bei der richtigen Musik konnte ich überhaupt nicht aufhören, weitere Stücke zu spielen. Und noch eins. Und noch eins…